Gelenkprobleme beim Hund

Wissenschaftlicher Beitrag von Kleintierspezialist Dr. Stefan Knoop


Wirkt Ihr Hund steifer als sonst? Hat er Probleme auf die Couch zu springen oder Treppen zu laufen? Dann leidet er möglicherweise an Gelenkproblemen, besonders bei größeren Hunden ein häufiges Problem.


Gelenke sind die Scharniere des Körpers, die es dem Hund ermöglichen, zu gehen, rennen, springen, den Kopf zu bewegen oder mit dem Schwanz zu wackeln. Alle Teile des Bewegungsapparates sind aufeinander angewiesen, um normal zu funktionieren. Ohne gesunde Knochen und Gelenke können die Muskeln nicht arbeiten und der Körper verliert seine Mobilität.

Gelenkprobleme sind bei großen Hunderassen verbreiteter als bei kleinen. Gründe dafür sind, dass die kritische Wachstumsphase bei großen Hunden länger ist und sie sehr schnell wachsen. Daher sind sie bei Übergewicht oder zu intensiver Bewegung eher von Skelettproblemen betroffen.

Wichtig ist, dass Sie immer auf die Bewegungen und das Verhalten Ihres Hundes achten. Humpeln, Steifheit oder der Unwille sich zu bewegen können Anzeichen für Gelenkprobleme sein. Steifheit und Humpeln können viele verschiedene Gründe haben und es ist daher sehr wichtig, einen Tierarzt zu kontaktieren, um eine gründliche Untersuchung und Diagnose zu erhalten. Je schneller ein Gelenkproblem behandelt wird, desto besser.

Mögliche Warnzeichen für Gelenkschmerzen

  • Steife Bewegungen nach körperlicher Aktivität

  • Lahmheit

  • Schwierigkeiten, nach dem Liegen aufzustehen und/oder zu gehen

  • Weniger Aktivität und reduzierte Mobilität

  • Schwierigkeiten, auf etwas hoch oder von etwas herunterzuspringen, z.B. die Couch oder beim Treppe laufen

  • Weniger gut gepflegtes Fell an schwer zu erreichenden Stellen

  • Ggf. Gereizte oder ausweichende Reaktion beim Anfassen bestimmter Körperregionen

  • Vermeidet Kontakt

  • Verminderter Appetit

Neben Verletzungen wie Frakturen, Muskelverletzungen und Bänderdehnungen sind die folgenden Gelenkerkrankungen häufige Ursachen von Steifheit oder Humpeln bei Hunden.

Die häufigste Gelenkerkrankung ist die Arthrose:

Als Arthrose (auch Osteoarthrose) bezeichnet man Verschleißerscheinungen an Gelenken aufgrund von chronischen Gelenkerkrankungen. In arthrotischen Gelenken findet man Schäden am Gelenkknorpel, überschießendes Knochengewebe, eine verdickte Gelenkkapsel und Veränderungen der Gelenkschmiere. Diese degenerativen Veränderungen, die Ausdruck fehlgeschlagener Reparaturversuche des Organismus sind, schränken die Funktion des Gelenks ein und führen zu Gelenkschmerzen.

Eine Arthritis ist eine Gelenkentzündung (akut oder chronisch), die oft zu bleibenden Schäden an Gelenkstrukturen führt, sprich zu Arthrose. Arthritis kann die verschiedensten Ursachen haben, zum Beispiel kann eine bakterielle Infektion Arthritis auslösen (z.B. Borreliose) oder auch eine Immunerkrankung (z.B. Rheuma). Eine besonders häufige Ursache der Arthritis ist allerdings ein Knorpelschaden, denn die dabei frei werdenden Knorpelbestandteile werden vom Immunsystem fälschlicherweise als Fremdstoffe eingestuft und mithilfe einer Entzündungsreaktion bekämpft.

Was bedeutet die Arthrose für meinen Hund?

Was die Arthrose für Ihren Hund bedeutet, ist im Einzelfall schwer zu sagen, denn vom Menschen wissen wir, dass nicht jede im Röntgenbild sichtbare Arthrose auch tatsächlich Schmerzen verursacht und dass eine geringe Bewegungseinschränkung oft gar nicht wahrgenommen wird. Allerdings ist Arthrose eine fortschreitende Erkrankung und ab einem gewissen Grad der Schädigung wird ein arthrotisches Gelenk unausweichlich Schmerzen verursachen.

Sie müssen also damit rechnen, das Ihr Hund aufgrund von Arthrose Schmerzen leidet, auch wenn er nicht humpelt, hinkt oder lahmt.

Vieles was wir gemeinhin auf "das Alter" schieben, beispielsweise Bewegungsunlust oder ein steiferer Gang, ist tatsächlich Ausdruck von Schmerzen und Bewegungseinschränkungen durch Arthrose. Je nach Wetterlage sind diese Schmerzen mal mehr, mal weniger stark spürbar. Je nach Schwere der Arthrose tut es vielleicht nur bei manchen Bewegungen weh oder sogar wenn Ihr Hund einfach nur liegt. Solche chronischen Schmerzen schränken die Lebensqualität Ihres Hundes massiv ein.

Wie wird Arthrose bei Hunden behandelt?

Eine Arthrose ist zwar nicht heilbar, doch lässt sich ihr Fortschreiten durch verschiedene Maßnahmen verlangsamen und auch Sie können viel dafür tun, Ihrem Hund das Leben mit der Arthrose zu erleichtern.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Hund Gelenkprobleme hat, gehen Sie bitte mit ihm zum Tierarzt. Er kann mögliche andere Schmerzursachen ausschließen, eine genaue Diagnose stellen und einen individuellen Behandlungsplan für Ihren Hund aufstellen.

Zeigt Ihr Hund bereits Schmerzen, benötigt er auf jeden Fall eine adäquate Schmerzbehandlung mit Medikamenten, die gleichzeitig entzündungshemmend wirken (NSAID = nonsteroid antiinflammatory drugs). Wichtig ist, dass Sie die Schmerzmedikamente nicht nur an Tagen geben, an denen es "besonders schlimm" ist, sondern regelmäßig über einen längeren Zeitraum. Nur so lässt sich der Entzündungskreislauf an den Gelenken durchbrechen.


Noch wichtiger ist:

Geben Sie Ihrem Hund keine Schmerzmittel aus Ihrer eigenen Hausapotheke (z.B. Aspirin oder Paracetamol)!


Zusätzlich zur Behandlung mit Entzündungshemmern bzw. Schmerzmedikamenten können gelenkunterstützende Nährstoffe (DMOA = disease modifying osteoarthritis agents) die Gelenkfunktion positiv beeinflussen. Sie stellen wichtige Bausteine für den Gelenkstoffwechsel zur Verfügung


Klassische gelenkunterstützende Nährstoffe als Ergänzung zur Arthrosetherapie bei Hunden sind:

  • die Glykosaminoglykane (GAG) aus der neuseeländischen Grünlippmuschel

  • Teufelskralle oder Weihrauch

  • Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, z.B. EPA und DHA


weitere Gelenkerkrankungen:

Osteochondrosis (OCD)

Eine Wachstumsstörung, die häufig das Schultergelenk betrifft, aber auch die Hüfte, Ellenbogen, Knie oder das Fußgelenk betreffen und Schäden am Gelenkknorpel hervorrufen kann.

Hüftdysplasie

Eine Hüftdysplasie bei Hunden ist eine abnormale Bildung der Hüftpfanne, die zu Arthritis führen kann. Dies ist sehr schmerzhaft und verursacht Bewegungseinschränkungen.

Übergewicht

Übergewicht kann für die Gelenke eines Hundes verheerend sein, besonders wenn bestehende Gelenkerkrankungen vorliegen. Je schwerer der Hund, desto mehr Gewicht liegt auf den Gelenken.


Dr. Stefan Knoop

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